Autismusspektrumsstörung & Schmerzen

Herabgesetztes und diffuses Schmerzempfinden bei Menschen
aus dem Autismus Spektrum

Schmerzen sprechen eine andere Sprache: Autismus und die Gefahr übersehener Krankheiten. Schmerzen sind Kommunikation – doch Autismus verändert diese Kommunikation grundlegend. Das betrifft sowohl die Wahrnehmung nach innen (das eigene Körpergefühl) als auch den Ausdruck nach außen (wie andere den Schmerz wahrnehmen). Die Folge: Symptome körperlicher Erkrankungen werden oft erst sehr spät erkannt – manchmal leider zu spät.

Häufig erleben Menschen im Autismus-Spektrum sowie deren Angehörige, Betreuungs- und Pflegekräfte, dass Veränderungen – etwa im Verhalten – von Ärzten und Therapeuten nicht ernst genommen werden. Besonders beim frühkindlichen Autismus ist diese Situation gefährlich. Wenn die Fähigkeit zur Selbstreflexion fehlt oder eingeschränkt ist, sind die Betroffenen vollständig auf die aufmerksame Beobachtung und Hilfe von außen angewiesen.

Individuelle Schmerzanzeichen erkennen
Wenn Sie selbst von hochfunktionalem oder atypischem Autismus betroffen sind, können Sie lernen, Ihre ganz persönliche Schmerzskala zu entschlüsseln. So gelingt es Ihnen, frühzeitig individuelle Warnzeichen Ihres Körpers wahrzunehmen. Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zeigen oft schon bei Werten unter einer „7“ (siehe Bild) deutliche Auffälligkeiten und Verhaltensänderungen.

Denn ein kranker Körper verhält sich anders – auch dann, wenn Schmerz nicht bewusst wahrgenommen wird. Oft bleibt als erstes Signal nur das diffuse Gefühl: „Irgendwas ist plötzlich anders.“

Ein konkretes Beispiel: Die unterschätzte Gefahr einer Sepsis!
Eine der u.A. größten medizinischen Gefahren für Menschen im Autismus-Spektrum ist eine unentdeckte Blutvergiftung (Sepsis). Das zeigt sich oft schon bei vermeintlich harmlosen Infekten wie einer Bronchitis: Der betroffene Mensch hustet vielleicht stark, entwickelt aber kein Fieber, spürt keine Schmerzen im Brustkorb und fühlt sich subjektiv voll leistungsfähig. Dass sich die Atmung verändert – besonders bei körperlicher Belastung –, fällt ihm oder ihr selbst gar nicht auf. Auch die einsetzende Erschöpfung wird häufig falsch interpretiert: Sowohl von den Betroffenen als auch von Ärzten wird sie oft auf alltäglichen Stress oder der Teilhabe an der Arbeit geschoben. Ohne die typischen Warnsignale kann sich aus einer bakteriellen Bronchitis unbemerkt eine Lungenentzündung entwickeln. Bleibt diese unbehandelt, droht im schlimmsten Fall eine lebensgefährliche Blutvergiftung.

Fazit ist: Wir brauchen in den ASS-Leitlinien Empfehlungen zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, wie die ganz allgemeine Krebsvorsorge auch. Ein jährlicher „autistischer Bodycheck“ ist notwendig, damit organische Erkrankungen keiner stillen Progredienz unterliegen, sich nicht chronifizieren oder gar in einer infausten Diagnose münden.
So wäre zum Beispiel mein Bruder, mit Asperger Syndrom noch am Leben!
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